Im Rhein-Haardt-Express zwischen Münster und Mönchengladbach
am Dienstag den 21.10.08.
um 5:43
Ich erreiche gleich Haltern am See – in Socken.
Diese ist meine Bahn, da sitz ich schon mal in Tennissocken und lehne die noch nassen Haare an die kalte Scheibe. Meine Kleidung riecht nach Rauch von gestern. Nach Markus Raum. Markus, den ich seit ungefähr 6 Jahren kenne, stellte ich gestern fest.
Markus, mein Auffangnetz, meine Schulter, …wo ich schlafen, duschen, essen darf.
Zwischen und mit den Katzen, dem Chaos und Anna, die auch dort wohnt.
Fühl mich sehr gut aufgehoben. Der richtige Ort gestern Nacht und immer wieder, wenn ein Hafen nötig…
Ich wache auf. Ich drücke die Taste am Wecker den er gestellt hat. Rieche noch einmal das Bett das er mir gestern Nacht gebaut hat. Seine pinke Zahnbürste darf ich benutzen, ebenso sein Handtuch, sein Duschgel, sein Haarwachs.
Seine leise, schläfrige Stimme aus einem Berg von Bettdecke:
„Und morgen früh, …da stehen zwei pinke Bürsten, aber die eine is pinker…“ Danke!
Ich schleiche, damit er noch schlafen kann. Später sitzt er in der gleichen Bahn, vielleicht sogar auf diesem Platz, und steigt um in Bochum.
Doch jetzt schläft er und so rolle ich nun in angenehm stiller Stimmung durch das Ruhrgebiet. Die Menschen dösen oder sprechen gedämpft.
Mir fällt auf, das ist meine Lieblingszeit in der Bahn. Weil alles ruhiger ist, die Menschen sich langsam bewegen und die Klappe halten. Währenddessen macht es mich lächeln, in aller Stille und in Socken in Gedanken zu versinken.
Gedanken an pinke Bürsten und ein Mickymaus-T-Shirt für die Nacht,
Gedanken an ein warmes Telefonat gestern abend,
Gedanken an den Geburtstagskuchen in meiner Tasche,
Gedanken die in Bewegung bleiben…